In den zehn Tagen nach dem Unfall wurden die radioaktiven Partikel großräumig über Ländergrenzen hinweg verteilt. Insgesamt wurden etwa 1018 Becquerel Spaltstoffe in die Atmosphäre freigesetzt, ca. sechs Tonnen der insgesamt 190 Tonnen der hochradioaktiven Kernbrennstoffmasse entwichen aus dem zerstörten Reaktor. Abschätzungen gehen von einer Freisetzung des kurzlebigen Jod-131 von 60 bis 80 Prozent des Gesamtinventars aus. Cäsium-137 wurde etwa zu einem Drittel freigesetzt, für Strontium und Plutonium werden Anteile von vier und drei Prozent angenommen.

Radioaktivitätsverteilung nach dem Super-Gau
Hauptsächlich betroffen von dem radioaktiven Fallout ist mit 70 Prozent die Republik Weißrußland.
Durch lokale Regenfälle kam es zu einer sehr inhomogenen Verteilung der Strahlenbelastung. In einem Gebiet nordwestlich von Minsk, 400 Kilometer vom Reaktor entfernt, mußte die Bevölkerung zum Teil evakuiert werden, während weite Gebiete dazwischen vergleichsweise mäßig kontaminiert wurden. Aus der unmittelbaren Sperrzone im 30 Kilometer-Radius um den Reaktor wurden 135.000 Menschen evakuiert. Insgesamt waren 400.000 Menschen gezwungen, ihre Wohnungen aufzugeben und wegzuziehen.

Verteilung der radioaktiven Verseuchung um den Unglückreaktor