Tschernobyl - die Jahre danach

1987
7. Juli 1987, Tschernobyl: In der noch immer verstrahlten Stadt beginnt der Prozeß gegen sechs leitende Angestellte des Kraftwerks, die für den Unfall verantwortlich gemacht werden. Der ehemalige Direktor des Kraftwerkes und zwei weitere werden wegen grober Fahrlässigkeit zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Drei ihrer Kollegen bekommen mildere Strafen.


1988
14. Januar 1988: Das Politbüro teilt mit, daß die Kosten des Unfall sich auf 24 Milliarden Mark belaufen. Diese Summe ist viermal so hoch, wie bisher von sowjetischen Behörden zugegeben.
Damit ist Tschernobyl der teuerste Unfall in der Geschichte der Menschheit.


1989
20. April 1989: Die sowjetische Regierung beschließt einen Baustopp für den fünften und sechsten Reaktorblock im Kraftwerk Tschernobyl.


1990
19. August 1990: Die Internationale Atomenergiebehörde erklärt, daß der Sarkophag des Reaktors möglicherweise den Belastungen durch die hohen Temperaturen und den Strahlenbeschuß im Inneren nicht standhalten wird. Eine neue Katastrophe sei nicht ausgeschlossen.


1991
15. April 1991: Der Katastropheneinsatzleiter und ukrainische Kernphysiker Tschernousenko gibt in einem Zeitungsinterview Auskunft über die Zahlen der Todesopfer von Strahlenschäden. Die Katastrophe habe bereits sieben- bis zehntausend Menschenleben gefordert. Offiziell wird weiterhin von 31 Toten gesprochen.


1992
24. März 1992, 2:37 Ortszeit: Im Kernkraftwerk Sosnowyj Bor, St. Petersburg kommt es zu einem schweren Störfall. Der Wasserdruck im dritten Block des Reaktors vom Tschernobyl-Typs fällt schnell ab - die Temperatur steigt. Diesmal greift die Schnellabschaltung - im Gegensatz zum Tschernobyl-GAU - rechtzeitig. Doch was hatte den Bruch eines Druckkanals verursacht, der zu den Beinahe-Unfall geführt hatte?
Untersuchungen ergaben, daß Veränderungen am Brennstoff, die nach Tschernobyl vorgenommen wurden, zur vorzeitigen Ermüdung des Materials führten. In Folge mußten die meißten anderen russischen RBMK-Reaktoren vom Netz genommen werden.


1993
3. März 1993: Aufgrund eines Lecks in einer der Wasserpumpen des Kühlkreislaufs muß das Atomkraftwerk Tschernobyl wiederholt abgeschaltet werden. Immer wieder kommt es zu Störfällen im Unglücksreaktor sowie im ukrainischen Atomkraftwerk Saporoschje, im litauischen Ignalina und anderen Ost-Reaktoren.


1994
Juli 1994: Mitarbeiter des Atomkraftwerkes Tschernobyl und westliche Experten berichten, daß die Reaktoren 1 und 3 unter immer gefährlicheren Bedingungen arbeiten. Die Alarmsysteme seien nicht ausreichend. Verschlissene Teile könnten nicht immer ausgewechselt werden. Der ukrainische Präsident Krawtschuk erwägt den Bau eines neuen Atomkraftwerkes in der Nähe von Tschernobyl für den Fall, daß der Unglücksreaktor geschlossen wird.
Die G 7-Staaten wollen bis zu 200 Millionen Dollar für die Stillegung von Tschernobyl bereitstellen. Mit dem Geld sollen drei im Bau befindliche Atomreaktoren fertiggestellt und Reformen in der Energiewirtschaft finanziert werden.


1995
8. Dezember 1995: In einem Tschernobyl-Memorandum legen die Ukraine und die G7-Staaten die Stillegung der zwei noch funktionierenden Reaktoren in Tschernobyl fest. Nach der Aussage des ukrainischen Umweltministers Kostenko ist jedoch in dem Memorandum kein fester Zeitpunkt mehr festgelegt. Von westlicher Seite wird dies bestritten.


1997


1999

Chronologisch: