Was sind Urwälder?
Urwälder sind vor allem eins: unfassbar vielfältige Lebensräume. Hier ein kurzer Einstieg:
Darunter sind Wälder zu verstehen, die nicht durch den Menschen geformt wurden, daher werden sie auch "Primärwälder" genannt. Sie haben sich unter geologischen und klimatischen Rahmenbedingungen im Laufe von vielen Jahrtausenden entwickelt. Dies schliesst den Menschen als Bewohner und Nutzer des Waldes keineswegs aus.
Hauptsächlich handelt es sich um die tropischen Regenwälder Afrikas, Südamerikas und Südostasiens. Eine weitere grosse Gruppe bilden die sogenannten borealen Wälder Kanadas, Nordwestrusslands (mit einem geringen Anteil Skandinaviens) sowie Ostibiriens. Beide Biome sind auf ihre Weise optimal an die geographischen und klimatischen Besonderheiten angepasst. Aber, was wenig Beachtung findet, erweisen sie sich als äusserst zerbrechliche Systeme, sobald der Mensch beginnt, in grossem Masstab Hand an sie zu legen. Dass sie immer noch häufig mit "Überfluss" gleichgesetzt werden, ist nichts als ein fatales Klischee der Kolonialzeit.
Weil der Stoffumsatz im Wald der Tropen täglich und das ganze Jahr über auf Hochtouren läuft, bilden sich in den meisten Fällen so gut wie keine Nährstoffreserven im Boden. (Eine Ausnahme bilden die torfhaltigen Urwaldböden, die riesige Mengen an Kohlenstoff speichern. Dieser entweicht bei ihrer Trockenlegung als Kohlendioxid in die Atmposphäre.) Wird der Wald durch Strassen fragmentiert oder gerodet, spülen Regen und Grundwasser die Wertstoffe fort, schlussendlich ins Meer, von wo sie nicht in den Kreislauf zurückkehren können.
Die Wälder des Nordens hingegen haben sich wegen der langen Winter auf sehr langsame Zyklen und ein Leben auf dem Permafrostboden optimiert. Den Raubbau der Industrie können sie, auch wenn er gestoppt würde, nur nach langer Zeit wieder ausgleichen. Zusätzlich bewirkt der Klimawandel ein Auftauen des gefrorenen Bodens. Die Bäume verlieren ihren Halt und versinken im Schlamm.
Warum muss der Schutz der Urwälder unbedingt umfassend und schnellstmöglich durchgesetzt werden?
Die wertvollen Urwälder werden mit nie dagewesener Geschwindigkeit zerstört. Eine natürlich bewaldete Fläche, so groß wie die Schweiz, geht jedes Jahr verloren. Holzeinschlag und Entwaldung für die Landwirtschaft gehören zu den Hauptbedrohungen dieser einzigartigen Ökosysteme, die immer noch 3/4 aller an Land lebenden Arten beherbergen. Die Artenvielfalt schwindet mit der Zunahme des Raubbaus, noch bevor sie gänzlich erfasst ist. Die Hälfte des Waldes, der in den letzten 10.000 Jahren verloren ging, wurde in den letzten 80 Jahren zerstört und die Hälfte dieser Zerstörung vollzog sich allein seit den 1970er Jahren.
Karten und Texte in "The world’s last intact forest landscapes":
www.greenpeace.org/forestmaps und www.intactforests.org
Die letzten Urwälder, die "Fantastischen Sieben", brauchen zweifelsohne unseren Schutz - denn mehr als 80 Prozent der ursprünglichen Waldgebiete unseres Planeten sind bereits zerstört. Wenn auch Du etwas dazu beitragen möchtest, dass unser Planet nicht in eine Ödnis verwandelt wird - sei herzlich willkommen bei Greenpeace!