Wellengang und Seemannsgarn – Fabian mit Greenpeace auf See
vom 2.09.09 von Daniela Schmidtke
Im Juli 2009 begab sich Fabian (9) vom Wale-Detektiv-Club in Begleitung seines Vaters auf Fahrt von Sylt nach Stralsund, zum einjährigen Jubiläum des Ozeaneums. Nachdem der Wale-Detektiv-Club im Jahr 2008 zweimal zum Schutz der Wale an Greenpeace gespendet hatte, wurden sie eingeladen, auf der Beluga II mitzufahren. Ich war dabei, um über die Fahrt für die Berliner Gruppe zu berichten.
Am 04.07.2009 ging die Fahrt los. Startpunkt war Hörnum Hafen auf der Insel Sylt. Von dort aus würde die Beluga II nach Stralsund fahren, um Besuchern zum einjährigen Jubiläum des Ozeaneums Einblick in die Arbeit von Greenpeace zu geben. Nach langer Anfahrt - der Zug hatte in Hamburg 45 Minuten Verspätung – kamen wir, d.h. Fabian, sein Vater und ich, zufällig gleichzeitig in Hörnum Hafen auf Sylt an und stiegen an Board. Durch die Ebbe lag das Schiff recht tief und für mich erschien es etwas waghalsig, während Fabian recht schnell und ohne großes Zögern an Board kletterte. Zuerst gab es eine Schiffseinweisung – Schlafplatzzuteilung, Toilettenbenutzung, Boardregeln, Vorstellung der Crew. Gegen 20:00 Uhr legten wir ab Richtung Nordostseekanal und wir erfuhren, dass wir am 08.07. in Stralsund ankommen würden, um rechtzeitig eine Ausstellung zum einjährigen Jubiläum des Ozeaneums im Laderaum aufbauen zu können. Greenpeace hat in dieses Museum investiert und zusammen mit dem Deutschen Meeresmuseum den Ausstellungsraum „1:1 Riesen der Meere“ konzipiert.
Wir hatten uns auf eine längere Reise auf See eingestellt und waren erst einmal enttäuscht, da die Reise nun nicht ganz so lange dauern würde wie angenommen. Zwei Highlights ließen uns diese Planänderung jedoch schnell vergessen: Wir sichteten Robben auf einer Sandbank in der Nordsee. Beeindruckend schnell bewegten sie sich gen Wasser. Wenig später wurden Segel gesetzt und nun begann die richtige Seefahrt. Denn erst mit gesetzten Segeln entfaltet die Beluga II ihre ganze Pracht. Sie ist das erste neu gebaute Schiff der Greenpeace-Flotte und sieht aus wie ein Traditionssegler. Tatsächlich ist sie modern ausgerüstet und nach ökologischen Kriterien gebaut. Die Beluga II, so erfuhren wir, ist vor allem für den Meeresschutz unterwegs und fährt so weit die Wetterbedingungen es zulassen, mit Segeln, um weniger Sprit zu verbrauchen.
Fabian hatte schnell die Schiffsspitze zu seinem Lieblingsplatz auserkoren und hielt eifrig nach Walen Ausschau. Leider hat sich auf der gesamten Fahrt kein einziger gezeigt. Nach einer Weile überkam uns Mitreisende ein leichtes Gefühl der Übelkeit: Der Wellengang hatte zugenommen und die Seekrankheit machte sich breit. Zuerst steuerten wir guten Mutes mit aller Willenskraft dagegen an; jedoch entschieden wir uns später doch Reisetabletten dagegen einzunehmen. Erst am nächsten Tag nach einigen Stunden Schlaf, ging es uns besser und wir begannen uns an Board zuhause zu fühlen. Da wir über Nacht gesegelt waren, fuhren wir bereits am nächsten Morgen den Nordostseekanal entlang und näherten uns unserer ersten Station: Rendsburg.
Beim ersten gemeinsamen Frühstück an Board, erzählten mir Fabian und sein Vater, dass Fabian den Wale-Detektiv-Club bereits in der ersten Klasse zusammen mit seinen Freunden gegründet hatte, um Wale, die faszinierenden Meeresriesen zu schützen. Damals ist er sieben Jahre alt gewesen. Mit dem Verkauf selbstgebastelter Postkarten hatten sie bereits nach einem halben Jahr soviel Geld gesammelt, dass sie überlegten, an wen sie dieses spenden konnten, um wirklich etwas zum Schutz der Wale beitragen zu können. So nahmen sie Kontakt zur Greenpeace Gruppe Berlin auf. Bereits wenige Monate später spendete der Wale-Detektiv-Club erneut. Als Anerkennung erhielten sie die Möglichkeit einmal mit einem Greenpeaceschiff mitzufahren. Während des Gesprächs – nun nur noch mit dem Vater, da Fabian viel zu neugierig war und bereits wieder an Deck – erfuhr ich, dass Fabian oft die Initiative im Wale-Detektiv-Club ergreift und schnell Ideen entwickelt, u.a. kleine Vorführungen im Garten organisiert und dazu auch selbst Gäste einlädt, um Spenden zu sammeln. Sein Engagement und Selbstbewusstsein beeindruckte mich sehr.
In Rendsburg - nach 19 Stunden Seefahrt legten wir das erste Mal an - wurde der im Laderaum als Aufenthaltsraum (Messe) dienender Container mit einem Kran ausgeladen, um der Ausstellung zum Thema Meeresschutz und Schutzgebiete Platz zu geben. Fünf große Steine wurde neben anderen Materialien eingeladen. Sie würden später auf dem Kai vor dem Ozeaneum symbolisch für die Aktion von Greenpeace am Sylter Außenriff stehen. Vor gut einem Jahr waren Greenpeacer mit der Beluga zum Sylter Außenriff gefahren um, große Steine zu versenken, um dieses Meeresschutzgebiet abzustecken und so vor dort immer noch genehmigter Schleppnetzfischerei zu bewahren. Erst vor der Abfahrt nach Stralsund hatten Taucher untersucht, wie sich der Lebensraum Meer rund um versenkten Steine entwickelt hat. Begeistert ließ sich Fabian von einem Mannschaftsmitglied und Aktivisten Fotos der Tauchaktion zeigen und die Aktion erklären.
Die nächste Aktion dieser Art würde in Schweden* stattfinden - im Anschluss an den Aufenthalt in Stralsund.
Unsere nächste Station war Kiel: In Rendsburg hatten wir erfahren, dass es im Atomkraftwerk Krümmel einen Störfall gegeben hatte und nun würden wir die Greenpeace-Aktion vor dem Kraftwerk vielleicht vor Ort unterstützen und eine Pressekonferenz von Greenpeace an Board beherbergen. Die Entscheidung stand noch aus. So stießen in Kiel zwei Greenpeacer der Kieler Gruppe zu uns und gemeinsam hissten wir ein Banner mit der Aufschrift „Kein Rückfall ins Atomzeitalter“, dass wir vorher alle gemeinsam an ein Banner mit dem Greenpeace-Schriftzug angenäht hatten - mit Seemannsgarn und Seemannsnadel war Fabian natürlich tatkräftig dabei. Am nächsten Tag wurde von der Kampagne entschieden, dass wir doch nicht an der Aktion teilnehmen würden. Am Nachmittag legten wir also wieder ab, um unser tatsächliches Fahrtziel Stralsund anzusteuern. Fabian und sein Vater verließen uns kurzzeitig in Kiel, da der Vater geschäftlich kurz zurück nach Berlin fahren musste. Beide hofften bei nächster Gelegenheit wieder an Board kommen zu können. Leider ergab sich hierzu keine Gelegenheit mehr. Am 08.07. gegen 18 Uhr waren wir schließlich am Ziel und legten vor dem Ozeaneum an. Wenig später stießen auch Fabian und sein Vater wieder zu uns. Beide fanden natürlich sehr schade, dass sie einen Tag auf See verpasst hatten, aber es ist doch ein kleiner Trost noch eine Nacht auf dem Schiff zu übernachten, bevor beide zurück nach Berlin fahren. In der Zwischenzeit hatten sie sich das Ozeaneum angesehen und waren von dem Ausstellungsraum „1:1 - Riesen der Meere“, von den in Lebensgröße nachgebildeten Walen begeistert. Als wir am Abend gemütlich auf der Brücke (Navigationsraum des Kapitäns) beisammen saßen, verkündete Fabian, dass er sich überlegt hat, den Wale-Detektiv-Club in „green whale club“ umzubenennen, um den Bezug zu Greenpeace stärker hervorzuheben.
Vor dem Schlafengehen unterschrieb er dann auch schon ein Banner zum Meeresschutz mit
dem neuen Namen. Vor der Abreise am nächsten Morgen bekam Fabian zum Abschied ein Crew-T-Shirt geschenkt und vielleicht wird er irgendwann einmal wieder mitfahren.
Wir alle sind auf jeden Fall gespannt, was Fabian noch so auf die Beine stellen wird, um Wale zu schützen.