- Entstand die Idee zu Ihrem Projekt "Regulated Fool's Milk Meadow" in einer bestimmten Situation?
- Wie lange haben Sie an diesem Projekt gearbeitet?
- Was ist es, was ein Ding - wie zum Beispiel einen Karton oder ein einfaches Stück Holz - kostbar und wertvoll macht? Und was ist in Ihren Augen wertlos?
- Es gibt kleine und spezielle Details in Ihrem Projekt. Würden sie ein paar für unsere Leser kommentieren?...
- ...Da wären zuerst die Aquarien mit goldenen Golfbällen. Sie befinden sich mittig in der Fabrik und in dem Kreislauf.
- ...Gatorade im Gewächsbereich
- ...Verschiedene Grassorten auf dem Laufbad
- Hat Ihr Projekt auch regionalen Bezug zu Ihrer Heimat Brooklyn oder New York?
- Wo fühlen Sie sich zu Hause und warum?
- Gibt es einen Ort in New York, den sie sehr mögen?
- Was sind Ihre Assoziationen zu der Stadt Berlin?
- Gehört Kunst nur ins Museum?
- Ist jeder Mensch ein Künstler?
- Wer ist in Ihren Augen ein faszinierender Künstler und warum?
- Schützen Sie die Umwelt, wenn ja, wie?
- Kennen Sie Netzwerke, die Künstler, Wissenschaftler, Umweltschützer und Wirtschaftsleute verbinden, z.B. der “Global Challengers Network�?? Meinen Sie, dass eine solche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachrichtungen sinnvoll ist?
- Glauben Sie, dass Greenpeace etwas künstlerisches hat?
- Wenn Sie an Greenpeace denken, woran denken Sie spontan?
- Frau Washburn, würden Sie zum Schluß unseren Lesern einen kleinen Einblick in ihre künstlerische Zukunft geben?
- Frau Washburn wir danken Ihnen für dieses Interview!
Entstand die Idee zu Ihrem Projekt "Regulated Fool's Milk Meadow" in einer bestimmten Situation?
Da gab es kein spezielles Ereignis, das mich inspirierte. Vielleicht war es mehr eine Serie von kleineren Sachen, die in mir die Idee erweckte.
Eine Situation fällt mir da aber ein: Als ich meinen Truck zur Autowäsche brachte, war ich beeidruckt davon, wie komplex die Wasschvorgänge waren und da ich meinen Truck sehr selten wasche, war eine Waschanlage eine ganz neue Erfahrung. Ich genoss es, durch die Glasfenster meinem Truck zuzugucken, wie er durch die einzelnen Stationen der Waschanlage gezogen wurde. Komisch kamen mir wiederum die anderen Autobesitzer vor, die ein Auge auf ihre Autos warfen -so als seien ihre Autos Patienten in einem Krankenhaus. Ich war erstaunt wieviel absolut unnötige Accessoires es dort für das Auto zu kaufen gab - sie waren alle im Warteraum drappiert. Ich bin mir sicher, dass mir diese Erfahrung in der vollautomatischen Waschanlage geholfen hat, mein Projekt zu gestalten. Letztendlich entwickelte sich die Idee dann aber über lange Zeit und änderte fortwährend ihre Form. Sogar noch während ich das Projekt abschloss, entwickelte es sich weiter.
Wie lange haben Sie an diesem Projekt gearbeitet?
Ich habe ungefähr anderthalb Jahre daran gearbeitet.
Was ist es, was ein Ding - wie zum Beispiel einen Karton oder ein einfaches Stück Holz - kostbar und wertvoll macht? Und was ist in Ihren Augen wertlos?
Es fällt mir schwer, Dinge wegzuschmeißen und diese Tatsache war sehr hilfreich für die Entstehung meines Projektes. Ich habe immer Hoffnung, doch noch eine Bestimmung für alles zu finden. Wenn etwas einmal in meinem Studio gelandet ist, dann ist es wirklich schwer für mich, es wieder gehen zu lassen. Mein Studio ist ein schwarzes Loch. Ich weiß, dass viele Leute so sind
-natürlich gerade die Künstler. Es ist also kein einzigartiger Weg von mir, so zu denken und zu arbeiten.
Aber diese Philosophie hielt mich wach und offen, ständig auf der Suche zu sein, und mit Dingen zu basteln. Ich finde es sogar befriedigender aus quasi nichts etwas zu machen, als neue Dinge zu kaufen. Die Herausforderung gefällt mir, die das mit sich bringt und ich habe entdeckt, dass ich mittlerweile das Aussehen von Benutztem oder älteren Materialien bevorzuge.
Es gibt kleine und spezielle Details in Ihrem Projekt. Würden sie ein paar für unsere Leser kommentieren?...
...Da wären zuerst die Aquarien mit goldenen Golfbällen. Sie befinden sich mittig in der Fabrik und in dem Kreislauf.
Die Aquarien sind wie kleine Stilleben. Bei diesen Stücken geht es also um den Blick nach innen, in etwas hinein. So sind die Aquarien mehr zum Hinein-, als zum Angucken gedacht. Sie besitzen eigene Handlungen und losgelöste Gesetzte von der Fabrik drumherum. Die leuchtend gelben Golfbälle darin sind Werbung, jeder ist mit dem Logo der Fabrik bedruckt. Also sind sie einerseits ganz eigenständige Golfbälle und andererseits eine Werbung für die Fabrik, sogar für die Ausstellung.
...Gatorade im Gewächsbereich
Das mit Gatorade war so eine spontane Sache, die mir während der Arbeit meines Projektes kam -das war ein klein bißchen eine alberne Idee. Denn ich wollte einen "Arbeiter-Champagnerspringbrunnen" für uns, aber anstelle des Champagners floss Gatorade.
...Verschiedene Grassorten auf dem Laufbad
Die unterschiedlichen Grassorten entdeckte ich bei meinen Nachforschungen zu Gräsern. Ich wollte eine Vielfalt an Texturen und Wachstumszyklen für das Projekt haben.
Hat Ihr Projekt auch regionalen Bezug zu Ihrer Heimat Brooklyn oder New York?
Ja, ich glaube, dass es da einen Zusammenhang geben muss, auch wenn dies nicht mit einem bewussten Vorsatz geschah. Aber es gibt mit Sicherheit eine Beziehung, denn alles Holz wurde in New York City gesammelt. In dieser Hinsicht besteht da eine direkte Verbindung. Und in einer anderen Hinsicht ist Wohnraum in NYC so teuer, dass Freiraum sehr wertvoll ist und die meisten Menschen keinen Abstellraum haben. Aus diesem Grund wird viel weggeschmissen. Die Menschen haben keinen Platz für ihren alten Fernseher oder die ausgemusterten Möbel oder was auch immer... also wird in jeder Woche eine Menge rausgeworfen. Und wenn der gesamte Kram dann unten an der Straße steht, braucht es nicht lange, bis jemand vorbei kommt und etwas mit zu sich nach Hause nimmt. Es ist ein Zyklus und dieser wiederholt sich an jedem Sperrmüll-Tag. Das Woche für Woche zu beobachten, hat mich bei meiner Arbeit sehr beeinflusst. Und obwohl ich keine von diesen häuslichen Sachen, wie einen Fernseher oder ein Möbel für mein Projekt verwendete, hatte es letztendlich viel Wirken auf mein Projekt, jede Woche diesen Zyklus zu beobachten.
Wo fühlen Sie sich zu Hause und warum?
Ich fühle mich definitiv in New York City zu Hause. Da sind nun zu viele Gründe, um sie alle aufzuführen. Eines der wichtigsten Dinge aber, die ich an NYC liebe, ist die Energie, die man überall spürt und die so intensiv ist. Menschen gehen raus, um ihr Ding zu machen. Wie sie wissen, hat New York überwiegend eine Fußgängerkultur. Jeder läuft zu Fuß, nimmt die Subway oder den Bus und deshalb bist du immer herausgefordert, auf einer bestimmten Ebene miteinander klar zu kommen. Es ist gemeinsamer Raum und deshalb ein gemeinsames Experiment. Es fühlt sich ganz anders an in den Orten, wo jeder verbarrikadiert in seinem Auto sitzt. Das Leben spielt hier oft im öffentlichen Raum und das mal besser, mal schlechter. Ich liebe es!
Gibt es einen Ort in New York, den sie sehr mögen?
Ich genieße meine morgendlichen Spaziergang zur U-Bahn jeden Tag. Ich sehe bekannte Gesichter, Leute die arbeiten, Beschäftigung ist überall. Ich liebe auch meinen Gang von der U-Bahn zurück nach Hause.
Was sind Ihre Assoziationen zu der Stadt Berlin?
Nun, da muss ich ehrlich sein. Ich hatte noch nicht viel Zeit um die Stadt kennen zu lernen. Ich hatte zu viel Arbeit zu bewältigen während ich da war, das klingt hübsch trantütig, aber es ist die Wahrheit. Das was ich erlebte, wenn ich mit den Leuten unterwegs war, mit denen ich jeden Tag arbeitete, war großartig. Für eine Stadt, die in nicht allzu entfernter Vergangenheit so viel Traurigkeit und Finsternis in sich trug, hatte ich ein wunderschöne Stimmung von der Stadt und den Leuten, die in ihr leben mitbekommen.
Gehört Kunst nur ins Museum?
Oh, sicherlich nicht! Manchmal können solche Einrichtungen alles Leben und die Seele aus der Kunst saugen. Für mich ist es sicherlich einfach zu urteilen und ich gebe auch nicht vor, zu wissen, was es bedeutet, ein Museum zu führen. Aber heutzutage habe ich manchmal den Eindruck, dass solche Einrichtungen und Museen so weit von der Kunst und dem Ursprung der Kunst abkommen, dass es anfängt, sich hohl anzufühlen. Wenn man bedenkt, was in einem Künstleratelier passiert und was das alles zu bedeuten hat und du spulst vor und du denkst an das Meeting vom Direktorium des Museums und an Akquise-Treffen und an all die anderen Sachen, die nötig sind, ein Museum zu leiten, dann scheint es dass diese beiden Welten zu weit voneinander entfernt sind. Oft wachsen diese Institutionen dann zu großen Monstern heran. Die Kunst sollte jedoch immer das größte Monster sein.
Ist jeder Mensch ein Künstler?
Diese Frage liebe ich! Ich habe sehr mit ihr gekämpft und ich denke: Ja, jeder Mensch ist ein Künstler, aber nicht jeder ist ein guter Künstler.
Oder vielleicht ist es besser zu sagen, dass jeder künstlerische Momente hat. Ich weiß, es klingt klischeehaft, aber Kunst ist überall und ich glaube, dass jeder Mensch Momente des Entdeckens, der Kreativität und der Genialität erlebt, die als Kunst angesehen werden können. Da fällt mir zum Beispiel der großartige, experimentierfreudige Koch Ferran Adria ein. Seine Entwicklung verblüffte und inspirierte mich zugleich. Ein anderes Beispiel wäre ein Winzer mit all seinen intuitiven Entscheidungen, seine Liebe und Besessenheit und seine Geduld und Hingabe, mit welcher er seinen Wein herstellt. Dann denke ich an eine ältere chinesische Frau, die in meiner Nachbarschaft Plastikflaschen einsammelt. Jeden Tag füllt sie damit mehrere riesige Mülltüten und wenn sie voll sind, gurtet sie diese in ihrem Einkaufswagen fest. Am Ende des Tages sieht der Einkaufswagen aus wie ein biomorphisches Floß.
Ich denke, wenn man nur genau hinsieht, sind da Momente der Kunst, die man überall entdecken kann.
Wer ist in Ihren Augen ein faszinierender Künstler und warum?
Jason Rhoades. Ich fand es toll, das er ein Elefant im Porzellanladen war und immer wieder geschubst und angestoßen hat. Seine Arbeit war für mich sehr aufregend und ergreifend.
Schützen Sie die Umwelt, wenn ja, wie?
Die Frage ist sehr umfassend. Als Einzelperson versuche verantwortungsbewusst zu sein und ich versuche Sachen an die ich glaube, zu unterstützen. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch Verbesserungspotential habe. Ich bin keine Aktivistin, aber ich versuche Sachen zu tun, die sich richtig anfühlen.
Ich bemühe mich, verantwortungsvolle Entscheidungen so direkt, lokal und unmittelbar wie möglich zu treffen. Ich finde den Spruch „think globally, act locally“ (denk global, handle lokal), unglaublich und - traurigerweise - unglaublich missachtet. Ich verbringe viel Zeit damit, eigentlichen Müll anzuschauen und darüber nachzudenken, also dreht sich mein Beispiel nochmal um den Müll....wie und was Leute heute wegwerfen macht mich verrückt. Ich sehe gefährliche Sachen, die weggeworfen werden und Sachen, die so unüberlegt weggeworfen werden, dass man sehen kann, dass die Menschen sich überhaupt keine Gedanken um die Müllmänner machen. Diese Leute denken überhaupt nicht über die Konsequenzen ihres Handelns nach, sie wollen die Sachen einfach sofort los werden. Das ist ein einfaches und sehr ortsgebundenes Beispiel, aber es sagt viel aus. Manchmal werden die umgehenden, direktesten und lokalsten Veränderungsmöglichkeiten von Menschen einfach übersehen.
Als Künstlerin befinde ich mich da in einer schwierigen Lage, weil meine Arbeit oft als politisch oder sozio-ökologisch missdeutet oder falsch dargestellt wird. Ich verwerte bei vielen Projekten Material wieder, wandele es in andere Formen um, nutze die Verbraucher-Kultur aus und ich verwerte auch meinen eigenen Atelier-Abfall bei meinen Projekten. Ich habe hiermit eine Arbeitsweise gewählt, die ich sehr interessant und befriedigend finde. Ich habe kein Problem damit, dass Themen wie Stadt-Abfall oder Nachhaltigkeit mit meiner Arbeit assoziiert werden, aber es wäre unaufrichtig, wenn ich sagen würde, dass ich von Anfang an eine Aussage in diese Richtung machen wollte. Aber andererseits kam neulich eine Frau zu mir und sagte, dass eines meiner Kunstwerke und der darin enthaltene Hilferuf bezüglich der Umweltprobleme, sie sehr bewegt und inspiriert hat. Das war sehr cool. Dass meine Kunst diese Assoziationen enthält ist super, es war aber nicht mein Ansatzpunkt.
Kennen Sie Netzwerke, die Künstler, Wissenschaftler, Umweltschützer und Wirtschaftsleute verbinden, z.B. der “Global Challengers Network�?? Meinen Sie, dass eine solche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachrichtungen sinnvoll ist?
Ja natürlich! Wenn Leute Ideen austauschen und in einer zusammenführenden Art und Weise denken und sich vernetzen, ist es immer erfrischend und gut. Andereseits, wenn solche phantastischen Ideen im Zusammenhang mit Kunst gesehen werden sollen, fehlt meiner Meinung nach, das wichtigste Element der Kunst - das überwältigende visuelle Erlebnis. Es kann zu komplex werden und ich glaube, dass Künstler auch oft zu früh aufgeben. Sie geben nicht alles und übernehmen nicht die Kontrolle über alle Aspekte ihrer Arbeit. Stattdessen erwarten Sie, dass der Zuschauer sich mit ihre Arbeit befasst, die Arbeit begeistert annimmt und dass er dabei sein eigene Energie nutzt, um das visuelle Erlebnis zu vervollständigen. Vielleicht ist es so mit manchen Betrachtern, aber ich selbst bin ein sehr passiver Kunst-Betrachter. Ich glaube also, dass es viele tolle Ideen gibt, die nicht richtig durchdacht sind und darunter leiden. Aber zurück zu Ihrer Frage: Wenn verschiedene Ideen und Fachrichtungen es schaffen, im wahren Leben zusammenzukommen und zusammen funktionieren, ist es aufregend.
Glauben Sie, dass Greenpeace etwas künstlerisches hat?
Greenpeace ist eine riesige Maschinerie. Natürlich auf bestimmte Art und Weise ja, aber ich kann die Frage in einem Schlag nicht beantworten, dafür ist Sie zu umfassend.
Wenn Sie an Greenpeace denken, woran denken Sie spontan?
Aggressiv, provozierend, Klemmbretter, Wale.
Frau Washburn, würden Sie zum Schluß unseren Lesern einen kleinen Einblick in ihre künstlerische Zukunft geben?
Ich habe da ein paar Ideen, über die ich gerade nachdenke und versuche, sie voran zu treiben. Meine neuen Ideen betreffen diesmal dienstleistende Einrichtungen. Ich dachte da an eine Bibliothek und ein Baseballstadion - ich muss zugeben, das zwei ganz verschiedene Richtungen. Aber vielleicht werden sich diese beiden Ideen in ja ein ganz sonderbares Ding verwandeln.