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Der Klimawandel ist der radikalste Ausdruck globaler Ungerechtigkeit. Diejenigen, die am wenigsten verantwortlich sind, trifft er am härtesten: die Ärmsten in Entwicklungsländern. Hirtenvölker und Kleinbauernfamilien verlieren ihre Lebensgrundlage durch Dürren und Überschwemmungen. Die Wasserversorgung von Milliarden Menschen in Asien wird durch das Abschmelzen der Himalayagletscher bedroht. Fischer sehen ihre Erträge schwinden, wenn die Korallen absterben.

Angesichts dessen stellt sich die Frage, was im Klimaschutz Gerechtigkeit bedeutet. Geht es um eine gerechte Verteilung der zulässigen Emissionen? Gerechtigkeit in der Verteilung der Lasten des Klimaschutzes? Oder Gerechtigkeit gegenüber den Opfern des Klimawandels?

Je nach Standpunkt und Perspektive ist auch das bislang Erreichte zu beurteilen, etwa die Frage, ob das Kyoto-Protokoll gerecht oder ungerecht ist. Immerhin, so könnte man sagen, beruht es auf dem Prinzip, dass die Reichen vorangehen müssen, während alle Entwicklungsländer von Reduktionsverpfl ichtungen ausgenommen sind. Doch, so ein vielleicht berechtigter Einwand, im Kyoto-Protokoll gelten auch drei Golfstaaten mit den höchsten Pro-Kopf-Emissionen weltweit als Entwicklungsländer – und haben folglich keine Verpfl ichtungen zur Begrenzung ihrer Treibhausgasemissionen.

Wie ließe sich Gerechtigkeit im internationalen Klimaschutz tatsächlich erreichen? Die armen Länder haben wenig Verhandlungsmacht, während an den Reichen als Verursachern des Problems kein Weg vorbei führt. Gleichzeitig drängt die Zeit; noch dreizehn Jahre, sagt der UN-Klimabericht, bis dann müssen wir das Ruder herumgerissen haben, wenn wir den Klimawandel noch halbwegs begrenzen wollen. Müssen wir nun wählen zwischen Klimaschutz und Gerechtigkeit, pragmatische Abstriche an unseren Gerechtigkeitsvorstellungen machen, um überhaupt noch schnell genug zu einem wirksamen Klimaschutzabkommen zu kommen? Oder ist, im Gegenteil, Gerechtigkeit eine unverzichtbare Voraussetzung für eine tragfähige Übereinkunft?

Mit Roland Hipp (Greenpeace Deutschland), Sivan Kharta (Stockholm Environment Institute Boston, USA), Martin Khor (Third World Network, Malaysia), Konrad Ott (Umweltethiker, Universität Greifswald), Arne Mogren (Vattenfall AB, Schweden) unter der Moderation von Antje von Broock (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland)


© 2010 Greenpeace Berlin, letzte Änderung: 20.12.2007 News als RSS